Manchmal sind die Gründe recht banal, weshalb man sich für ein bestimmtes Fahrtenland entscheidet. Für uns stand schon früh fest, dass wir ins Riesengebirge wollen. Doch nehmen wir die polnische oder die tschechische Seite?? - Ausschlaggebend für die Tschechei war die Tatsache, dass wir in zwei Etappen ins Zielgebiet fahren wollen. Einmal mit dem Wochenend-Ticket bis an die Grenze und am nächsten Tag weiter durchs fremde Land. Da Bad Schandau als letzter deutscher Bahnhof vor der tschechischen Grenze einfach schönerer ist als Frankfurt an der Oder für eine Polenfahrt, fiel die Wahl zugunsten Tschechiens aus. - Wir haben unsere Wahl keine Minute bereut.
Unsere Fahrtengruppe, bestehend aus neun Pfadfinder von der Siedlug Aurinko und den Stämme Brüder Grimm, Ulrich von Hutten und den Schwanenrittern, traf sich auf dem Hof, um von dort ins Abenteuer zu starten. -
Wir hatten zwar die ganze Zeit nicht verstanden, warum es in Tschechien überall nur Kümmelbrot zu kaufen gab, oder warum das Zugfahren so spottbillig war, oder warum es die erste Woche nur regnen mußte, oder warum Pilze, die wie leckere Steinpilze aussehen, speibitter schmecken. Doch haben wir es immerhin verstanden, jeden Augenblick so zu nehmen und zu nutzen, wie wir ihn geboten bekamen. - Wir ließen uns vom Gewitter faszinieren, auch wenn ein Blitzeinschlag 50m neben einen sehr unangenehm sein kann! - Wir lernten Rübezahl höchstpersönlich kennen, der uns am Abend eines verregneten Tages einlud, auf seinem Heuboden zu schlafen. Wir wurden mit heißem Tee und frischen Kuchen verwöhnt. - Wir besuchten einen 80jährigen teschechischen Pfadfinder, der uns Geschichten erzählte, Dokumente und Abzeichen zeigte und dem wir Lieder sangen. - Wir durchquerten schöne Landschaften und steigerten uns in der Auswahl der Lagerplätze. - Wir ließen keine Kirchenbesichtigung aus; jedes Dorf bescherte uns eine neue, kleine, manchmal halb verfallende Kirche. Wir testeten die Akustik, mal mit Gesang, mal spielte Thilo auf der Orgel. Häufig waren die Kirchen von Gräbern mit deutschklingenden Nachnamen umgeben; auch Denkmäler und Kircheninschriften waren in deutscher Sprache. Die Geschichte wurde uns vor Augen gehalten, schließlich befanden wir uns auf ostböhmischen Gebiet.
Trutnow entwickelte sich zum Dreh- und Angelpunkt unserer Unternehmungen. Wir lernten die Stadt lieben, nicht zuletzt wegen eines Bäckers mit den leckersten und schönsten Süßspeisen. Um unsere Fahrtenkasse nicht unnötig durch unsere Sucht zu belasten, haben wir uns das Geld in der Innenstadt ersungen. Mit Erfolg und anschließendem vollen Bauch!
Die letzten Tag unserer zwei Wochen ging es etappenweise in Richtung Prag, einer faszinierenden Stadt. Kultur bis zum Umfallen - der anstrengendste Fahrtentag! Es war eine schöne, aufbauende Sommerfahrt.

Gut Pfad und den Segen Gottes wünscht
die Fahrtengruppe Kümmelokei