Bundeskurswoche 1999


Jeff Horstmann (Sippenführerkurs F - Leiter, Stamm Schwanenritter):

Elf Jahre ist es her, als ich bei ossi vom Stamm Heinrich von Zütphen an einem CPB-Sippenführer-Kurs teilnahm (oder soll ich bewußt Gruppenleiter-Kurs sagen?). Es war einer der prägendsten Ereignisse meiner langen Pfadfinderlaufzeit. Ich lernte damals viele Kameraden und Freunde kennen, mit denen ich fortan einen langen, gemeinsamen Weg ging; einem Weg voller Abenteuer und Erlebnisse. Ich kann rückblickend beurteilen, daß ich ohne diesen Kurs heutzutage nicht mehr bei den Pfadfindern wäre.
Viele Jahre sind vergangen und ich mag es immernoch kaum glaube, daß ich nun auf der 1999er CPD-Bundeskurswoche einen eigenen Sippenführerkurs geleitet habe. So vergeht die Zeit und ich hoffe, daß es für meine Kurs-Teilnehmer ein ebenso schöner und prägender Kurs gewesen ist, wie ich ihn damals erleben durfte.
Ursprünglich wollte ich ja keinen Kurs leiten, weil ich wußte, daß mir die Vorbereitungszeit fehlen würde. Stefan Peters, unser Bundes-Schulungsbeauftragter (der diese Bukuwo großartig vorbereitet hat!), hat über Wochen versucht, mir den Stammesführer-Kurs anzudrehen, doch hielt ich ihn lange Zeit hin. Doch nachdem meine Blaukehlchen, die alle einen Sippenführerkurs besuchen sollten, aufgrund voller Kurse nicht mehr aufgenommen werden konnten, bot ich kurzerhand einen dritten Sippenführer-Kurs an mit der Bedingung, daß meine Blaukehlchen in einem der anderen Kurse unterkommen würden.
Tja, so halste ich mir doch noch einen Kurs auf. Leider fand ich auf die Schnelle keinen zweiten Leiter, so daß ich mich mit sechszehn Kurslern alleine auseinander-setzen mußte. Meine nicht-vorhandene Vorbereitungs-zeit ging in einer Biologie-Unterrichtseinheit und in Zahnschmerzen unter, so daß ich mich recht unvor-bereitet fühlte, als ich meinen Kurs am Samstag begrüßte.
Ich schaffte es einzig und allein, mir einen groben Kursablauf zurechtzubasteln, mir drei, vier Themen zu überlegen und mir viele Referenten auszusuchen. Ich gab mir selber die Aufgabe, aus den 16er Haufen innerhalb einer Woche eine feste Gruppe zusammenzu-schweißen und damit alle Phase einer Gruppenbildung in kürzester Zeit zu durchlaufen. "Sippengemeinschaft" sollte das Zauberwort des Kurses sein.
Früh stellte ich klar, daß die hier gelehrte Theorie nun ein Bruchteil der späteren Sippenführung sei und daß es letztlich viel eher auf eine gesunde Gruppenbildung mit eigenen Spielregeln ankommt, was ich versucht habe unauffällig nebenher laufenzulassen.
Nachdem ich am ersten Tag etwas zurückhaltend und abwartend war, versuchte ich spätestens ab dem Hajk-Tag eigene Formen in die Kurs-Gruppe einzuflechten: gemeinsames Auftauchen bei der Morgenandacht, "Guten Hunger"-Schrei, Referenten-Begrüßung und Kreisbilden bei Ansagen. Nach kurzer Zeit wuchs eine tolle Gemeinschaft, wo jeder versuchte durch maximalste Toleranz, die Fehler und Schwächen des anderes zu akzeptieren, und wo jeder seine eigene Stärke für die Gruppe einbrachte.
Besonders ein Element wirkte ultra-stark bindend und das war einmal mehr der Gesang. Wunderschöne Stimmen, eine Handvoll Gitarrenspieler und eine unbändige Lust am Singen ließen uns unzählige schöne Stunden miteinander verleben.
Bevor ich gleich auf einige kurze Eindrücke des Kurses eingehe, möchte ich schon zusammenfassend sagen, daß ich sehr stolz bin, Kursleiter des Sippenführer-Kurses F gewesen sein zu dürfen. Ihr seid eine vorbildliche Gruppe gewesen und die wunderschönen Erlebnisse mit euch lassen alle Mühen verblassen. Diesen acht Tagen voller Spaß und Freude hätte ich gerne noch weitere acht folgen lassen... F-Sifü-Kurs-ler, ihr seid die besten!!!
Es gab auf dem Kurs viele tolle Momente. Besonders der Hajk, der uns von Sonntag auf Montag über die Burg Ludwigstein und die Burg Hanstein führte, hat mir sehr viel Spaß gemacht. Bei Regen wanderten wir los, brachten aber Sonne mit nach Birkenfelde. Alle anderen Hajk-Gruppen sind abgesoffen, nur uns war eine trockene Nacht vergönnt. Auf der schönen Hasenkanzel fehlte uns nur noch die Gitarre, um den Abend noch gelungener werden zu lassen.
Geschichts-trächtige Jugendburgen aufsuchend, fehlende Essenszutaten schnorrend, Berghänge auf- und abkletternd, Pausen an schönen Plätzen einlegend, müde und kaputt über Äcker schleppend - der Hajk hatte seine Reize!
Auch unser glorreicher Auftritt auf dem ersten Birkenfelder Bundeskurswochen-Singewettstreit, wo wir mit dem einzigen bündischen Lied des Abends ("Es tropft von Helm und Säbel") knapp hinter den Akelas den dritten Platz belegten, ist unvergeßlich. Für unsere Nachfeier fehlen mir immernoch die Worte: tanzen bis zum Herzinfakt, singen bis zur absoluten Heiserkeit und Spaßhaben bis zur überschwappenden Euphorie. Ein unglaublicher Abend, liebe Freunde. Danke dafür!
Was auch für unsere Gruppe sprach, war die Spontaneität, mit der wir einige Situationen überbrücken konnten, wie z.B. die Pausen vor dem Mittagessen, wo wir zusammenrückten und unsere ureigenen Versionen von "Nachts auf dem Dorfplatz", "Mädchen, Männer, Meisterwert" uswusf. zum besten gaben.
Ach, ich könnte seitenweise weiterschreiben, doch ich möchte an dieser Stelle enden und euch entgegenschreien: `Ich liebe euch! Hoffentlich sehen wir uns bald wieder!‘

Gut Pfad und Gottes Segen
Jeff Horstmann
(Stamm Schwanenritter)